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Schulnoten verlieren Bedeutung

Lange waren Schulnoten bei der Bewerbung von großer Bedeutung. Firmen und Behörden warfen zunächst immer einen Blick auf die Noten der Bewerber. Waren diese schlecht oder mittelmäßig kam es in der Regel zu einer Absage bereits im Vorfeld. Bewerber mit guten Noten hingegen wurden bevorzugt und kamen in den Genuss eines Vorstellungsgespräches. Doch in den letzten Jahren hat sich dabei vieles geändert. Der Markt ist schwieriger geworden. So stöhnen zwar viele darüber, keinen Arbeitsplatz zu finden, gleichzeitig sind die Klagen bei den Unternehmen genauso groß. Denn vielfach können ausgeschriebene Stellen gar nicht mehr besetzt werden. Immer mehr Firmen haben regelrecht Schwierigkeiten gute Bewerber zu finden. Dabei muss es sich keinesfalls nur um Angebote für Facharbeiter handeln. Auch die Entlohnung entspricht oft dem Durchschnitt oder liegt weit darüber. Die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur war schon immer schwierig und ist es heute noch. In vielen Fällen ist das Gesuch dort der letzte Schritt. Doch auch die Kritik gegenüber den Schulen wird lauter.

Das vermittelte Wissen sei nicht mehr sachgerecht. Die meisten Schüler lernen den Stoff nur noch auswendig und vergessen ihn schnell. Gerne wird das mittlerweile auch als Bulimie lernen bezeichnet. Viele Lehrer sind demotiviert und verstehen es nicht mehr, den Schülern Wissen zu vermitteln. Allzu gern wird dann die Schuld auf das Zuhause geschoben. So begann bereits vor einigen Jahren ein Umdenken bei den Arbeitgebern. Immer öfters ist dabei zu hören, dass man die Schulnoten nicht mehr als Kriterium sieht.

Haben Schulnoten ausgedient

Die Noten in der Schule sagen nur noch wenig aus über Leistung, Begeisterung und der Fähigkeit in der Arbeitswelt zu bestehen aus. Zudem können im Handwerk und in vielen anderen Bereichen zahlreiche Stellen (auch für die Ausbildung) nicht mehr besetzt werden. So schielt man natürlich auch auf Schulabgänger mit schlechteren Noten. Besonders das Konkurrenzdenken wird in Schulen absolut nicht mehr gefördert. Doch dieses ist eine wichtige Voraussetzung im Wirtschaftskreislauf. Aber auch soziale Fähigkeiten lassen nach. Hinzu kommt der Fachkräftemangel, der die Situation vielfach verstärkt. Firmen in Deutschland müssen heute mehr Kraft und Zeit als früher aufwenden, um Stellen überhaupt besetzten zu können. Reichte früher eine einfache Anzeige in der Zeitung oder im Internet, bewerben sich heute darauf nur noch wenige. So sagen viele Unternehmen und Konzerne bereits Ade zu den Schulnoten und beachten diese im Auswahlverfahren gar nicht mehr. Erst kürzlich entschied sich auch die Deutsche Bahn AG zu diesem Schritt. Schulnoten gelten nicht mehr als Einstellungskriterium. Vielmehr sollte eine Motivation über Online-Zugänge erfolgen. Ein spezieller und spielerischer Online Test soll Bewerber bei der Deutschen Bahn AG in das Ausbildungsjahr 2014 führen. Eine Vorauswahl nach Schulnoten werde nicht stattfinden, heißt es von der Konzernleitung.

Auge zu und durch?

Firmen drücken also immer mehr ein Auge zu und versuchen, Interessierte für eine Bewerbung zu überzeugen. Besonders die sozialen und kognitiven Eigenschaften stehen im Vordergrund. Gute Chancen also für Schulabgänger mit miserablen Zeugnissen?- Ja, wenn es nach vielen Konzernen geht. In dem Online-Test der Deutschen Bahn AG werden innerhalb von 50 Minuten verschiedene Aufgaben zur Lösung vorgestellt. Dabei suchte das Unternehmen noch bis 2011 seinen Nachwuchs rein nach den Schulnoten aus. In Zeiten, in denen Bewerber jedoch knapp werden, ein nicht mehr anwendbares System. Ein besonderer Dorn im Auge viele Unternehmen sind dabei vor allem die Zusammenlegung unterschiedlicher Schulformen unter einem Dach. Eine Situation, die den Arbeitsmarkt weiter verschlechtern wird.

Bild: Dieter Schütz  / pixelio.de